Freitag, 26.06.2026

Expertinnen in Hanau: Digitale Gewalt gegen Frauen erfordert mehr Prävention und Beratung

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Bei einer Veranstaltung in der Wallonischen Ruine in Hanau haben Fachfrauen vor den wachsenden Folgen digitaler und sexualisierter Gewalt gewarnt. Sie forderten bessere Aufklärung, mehr niedrigschwellige Angebote und eine stärkere personelle Ausstattung der Beratungsstellen. Die Diskussion machte deutlich, dass digitale Gewalt häufig im privaten Umfeld stattfindet und gesamtgesellschaftliche Antworten nötig sind.

Veranstaltung und Beteiligte

Zu dem Austausch hatten das Frauenbüro der Stadt Hanau, das Referat für Frauenfragen und Chancengleichheit des Main Kinzig Kreises, der Sportkreis Main Kinzig und der erste Hanauer Lauftreff eingeladen. Die Veranstaltung gehörte zum Begleitprogramm des 25. Hanauer Stadtlaufs unter dem Motto Stärke zeigen, gemeinsam gegen Gewalt an Frauen und richtete sich an Fachkräfte und die interessierte Öffentlichkeit.

Grußworte hielten die Stadträtin und Dezernentin für Ordnung und Frauenangelegenheiten Isabelle Hemsley sowie die Frauenbeauftragte Marisa Lang. Hemsley wies darauf hin, dass die Methoden der Täter sich beständig änderten, die dahinterliegenden Muster aber seit Jahrhunderten gleich blieben: Es gehe um Macht, Einschüchterung und Unterdrückung. Sie betonte zugleich die langanhaltenden psychischen Folgen für Betroffene und forderte mehr Aufmerksamkeit und Hinsehen.

Formen und Auswirkungen digitaler Gewalt

Auf dem Podium erklärten Vertreterinnen verschiedener Hilfsangebote, dass digitale Gewalt viele Gestalten annehmen kann. Genannt wurden digitale Überwachung und Stalking, Bedrohungen und Belästigungen sowie das Verbreiten intimer Fotos oder manipulierten Materials. Die Expertinnen wiesen darauf hin, dass solche Taten häufig aus dem persönlichen Umfeld der Betroffenen erfolgen und mit Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen verknüpft sind.

Als weiteres Problem nannten die Teilnehmerinnen die hohe Dunkelziffer. Viele Betroffene suchten aus Scham, Angst oder Unsicherheit erst gar keine Hilfe. Vor diesem Hintergrund seien Beratungsstellen wichtig, die individuell begleiten und gemeinsam mit Betroffenen Schutzstrategien entwickeln. Zudem betonten die Fachfrauen, dass allein die Entscheidung über weitere Schritte bei den Betroffenen liegen müsse.

Prävention, Beratung und kommunales Handeln

Die Diskussion rückte auch die Prävention in den Mittelpunkt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene müssten für digitale Gewalt sensibilisiert werden, damit Grenzüberschreitungen früher erkannt werden und Hilfe in Anspruch genommen werden kann. Notwendig seien zudem kontinuierliche Fortbildungen für Fachkräfte sowie eine bessere personelle und finanzielle Ausstattung von Beratungs- und Hilfseinrichtungen.

Die Teilnehmenden betonten, dass digitale Gewalt nicht allein ein technisches Phänomen sei, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Strukturen und Einstellungen. Vor diesem Hintergrund lobte Hemsley die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Kreis und verwies darauf, dass Gewalt an kommunalen Grenzen nicht haltmacht. Abschließend bezeichneten die Veranstalterinnen die Diskussion als Auftakt für weitere Gespräche und Maßnahmen und forderten die Öffentlichkeit zu erhöhter Wachsamkeit auf.

Die Podiumsdiskussion wurde moderiert von Susanne Ruth von Radio Hanau. Auf dem Podium saßen Vertreterinnen von Frauen helfen Frauen Hilfe zur Selbsthilfe e.V. Hanau, Frauen helfen Frauen e.V. Wächtersbach, Lawine e.V. und Hanauer Hilfe e.V. sowie die Rechtsanwältin Zümrut Turan Schnieders.

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