Freitag, 06.02.2026

Hanau erklärt Grab des Malers Richard Estler zur Ehrengrabstätte

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Die Stadt Hanau hat die Grabstätte des Malers und Lehrers Richard Estler auf dem Friedhof Kesselstadt offiziell zur Ehrengrabstätte erhoben. Die Verwaltung begründet den Schritt mit Estlers Bedeutung für die lokale Kunst und Bildung; die Stadt übernimmt künftig die Pflege und Unterhaltung der gesamten Grabstätte.

Leben und beruflicher Werdegang

Richard Estler wurde am 28. September 1873 in Dresden geboren und starb am 27. Dezember 1952 in Frankfurt am Main. Er erhielt seine erste zeichnerische Ausbildung an der Gewerbeschule in Dresden und studierte von 1892 bis 1898 an der Kunstgewerbeschule Dresden. 1901 holte ihn Professor Max Wiese an die Königliche Zeichenakademie in Hanau. 1921 erhielt Estler den Titel Professor.

Während der nationalsozialistischen Herrschaft geriet Estler wegen seiner Mitgliedschaft in der Loge Braunfels zur Dreieinigkeit in Konflikt mit den Behörden. Ende 1934 wurde er vorzeitig mit gekürzten Bezügen in den Ruhestand versetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er für kurze Zeit an die Staatliche Zeichenakademie Hanau zurück.

Künstlerisches Werk und Wirkung

Estlers Werk umfasst Zeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte und Ölbilder. Motive waren vor allem Landschaften, Naturdenkmale und Altstadtansichten, darunter Darstellungen aus Dresden, Frankfurt und Hanau. Viele der dargestellten Orte erlitten im Zweiten Weltkrieg erhebliche Zerstörungen. Werke Estlers wurden regelmäßig im Rhein Main Gebiet sowie in München und Berlin gezeigt und befinden sich heute überwiegend in Privatbesitz.

Zu seinen Schülerinnen und Schülern zählten unter anderem Louis Wahn, Bernd Oehmichen, Theodor Schäfer, Hans Fehlhaber und Clara Ewald Weinhold.

Ehrung und rechtliche Details zur Grabstätte

Die Grabstätte auf dem Friedhof Kesselstadt ist ein Erdwahlgrab mit zweistelliger Grabnummer. Die Stadt hat die gesamte Anlage als Ehrengrab anerkannt und übernimmt die laufende Pflege. Nach den städtischen Richtlinien kann die Kommune die Unterhaltung auch vor Ablauf des Nutzungsrechts übernehmen.

Weil in der Grabstätte weiterhin Angehörige beigesetzt werden und die Nutzungszeit derzeit bis 2029 läuft, war für die Ernennung eine besondere Regelung notwendig. Stadträtin Isabelle Hemsley erklärte, Estler stehe beispielhaft für eine Künstlergeneration, deren Lebenswerk durch die politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts geprägt worden sei, und die Ausweisung des Ehrengrabes diene dazu, sein Andenken zu bewahren.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky betonte, die Entscheidung zolle einem Künstler und Pädagogen Respekt, der das kulturelle Leben Hanaus nachhaltig beeinflusst habe.

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